Donnerstag, 10. Juli 2014

8. Teil Fahrt ans Nordkinn – Offroaden mit Gespann


Das Wetter hält und es ist schön warm. Auf ans Nordkinn! Hier liegt an sich der nördlichste Punkt des europäischen Festlands, da das Nordkapp auf einer Insel liegt. Streng genommen ist nicht das Nordkapp der nördlichste Festlandpunkt, aber weil ein Seefahrer es so getauft hat, und klevere Marketingexperten das gut vermarkten, pilgern Tausende zum Nordkapp. Das ist nun einfach so. Es sind nur noch 180 km

Schmale Strasse entlang des Tana-Deltas
Zuerst machen wir noch einen Abstecher an die Mündung der Tana. Der Fluss erstreckt sich in einem riesigen Delta ins Meer. Die Strasse wird immer enger und ist zuletzt ein besserer einspuriger Feldweg. 


Mit unserem 12 Meter langen Gespann hoffen wir inständig, dass uns niemand entgegen kommt. Am Ende der Strasse erwartet uns eine eindrückliche Landschaft und viel Wasser. Wir haben Glück und sehen sogar eine Robe.


Tana-Delta
Ohne Gegenverkehr schaffen wir es zurück auf die normale Hauptrasse und fahren weiter Richtung Ifjord. Die Strasse führt hinauf durch Berge und wieder hinab an Fjorde und Seen. 

Plötzlich auf einer Passhöhe eine riesige Baustelle. Die Strasse wird neu gebaut. Wir werden mit unserem Gespann auf eine provisorische Strasse umgeleitet. Schotterpiste pur – schlimmer kann es nicht werden, denken wir! Vorne gibt es nochmals eine Umleitung auf eine noch provisorischere „Strasse“ – es kann schlimmer werden! (Zudem müssen wir allfälligem Gegenverkehr auch noch den Vortritt lassen… wie auch immer das dann gehen soll)

Wo geht's weiter? (es ist die "Strasse" links)
Die Situation hört sich in etwa so an:
Fahrerin zu Beifahrerin: „Wo geht es weiter?“
Beifahrerin: „Keine Ahnung.“
Fahrerin: „Schau, hier geht es weiter.“
Beifahrerin: „Das ist nicht dein Ernst!“
Offroaden pur...




Und ob! Offroaden mit dem Gespann ist angesagt. Die Baustelle endet und endet nicht. Die ganze Situation ist so schräg, dass wir lachen, bis uns die Bäuche schmerzen. Am Ende der Baustelle gibt es leider kein Zertifikat für die Teilnahme am Offroad-Kurs für Gespanne. Wir hätten ihn mit Bravour bestanden.












Schnee auf ca. 300 m ü Meer
Bald kommen wir in Ifjord an. Diese weit im Voraus ausgeschilderte Kreuzung einen „Ort“ zu nennen, würde an eine masslose Übertreibung grenzen. 
Wir biegen ab nach Norden und fahren auf die Halbinsel Nordkinnhalvoya. Hier ändert die Landschaft. Raue, karge Hügelzüge wechseln sich mit lieblichen Bachläufen ab. Generell aber wird die nördliche Lage und das arktische Klima sichtbar. 

Karge Landschaft am Nordkinn

Bei Hopseidet geht es runter auf Meereshöhe. Hier ist eine enge Landpassage, welche aus dem Nordkinn eine Halbinsel macht. Um ein Haar wäre auch dies eine Insel geworden. 


Die Landenge von Hopseidet. Rechts und links Meer

Auf den letzten Kilometern wird es richtig karg, aber es sind viele Rentierherden unterwegs. In Mehamn fahren wir auf einen sehr einfachen Campingplatz am Hafen.

Ein kleines Powernaping steht an. Den Wohnwagen lassen wir stehen und machen uns auf den Weg nach Gamvik. Wir besuchen den nördlichsten Leuchtturm der Welt. Ein spezielles Gefühl, dass es von hier aus nur noch 2000 Kilometer zum Nordpol sind, wo wir doch schon 5850 Kilometer gefahren sind!
2000 Kilometer bis zum Nordpool, das ist näher als nach Hause...


Slettness Fyr, der nördlichste Leuchtturm der Welt.

Nun sind wir am bisher nördlichsten Punkt unserer Reise angelangt, und es ist so warm wie noch nie in Skandinavien. Wir haben subito die kurzen Hosen angezogen!
Wir machen eine Wanderung im Naturschutzgebiet Slettness. Eine wunderschöne und erstaunlich liebliche Landschaft, geprägt von vielen brütenden Vögeln und der Vegetation von kurzen Sommern.



Wir fahren zurück auf den Campingplatz und geniessen unsere erste bewusste Mitternachtssonne. Wir sind überwältigt, weil die Sonne nicht wie gewohnt im Meer versinkt sondern einfach wieder höher steigt! Um 3 Uhr gehen wir schlafen. Es ist taghell!


Mitternachtssonne, statt unterzugehen, steigt die Sonne wieder höher.


Wir sehen unsere erste Mitternachtssonne

Mitten in der Nacht ist es taghell



ein Schiff der Hurtigruten beim Verlassen von Kjöllefjord
Am Morgen begrüsst uns die Sonne und warme Temperaturen. Wir fahren mit dem Gespann nur wenige Kilometer nach Kjöllefjord. 
Ein Spaziergang ins Dorf und etwas ausspannen tut uns gut. In der Ruhe liegt die Kraft. 



Gegen 17 Uhr bestaunen wir eines der grössten Schiffe der Hurtigruten-Flotte, wie es in den Hafen ein- und nach etwa einer Stunde wieder ausläuft. 




Wir sind müde und gehen relativ früh ins Bett. Zum Glück können wir im Wohnwagen relativ dunkel machen, so dass wir doch zu Schlaf kommen. Wir merken schon, dass unser Biorhythmus etwas durcheinander ist. Manchmal fühlt es sich mitten in der Nacht wie nachmittags an.



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